Forschungsfragen und Zukunftsthemen, wie sie das OekoNet auch hinsichtlich seiner künftigen Projektausrichtung beschäftigen, standen auf der LfL-Jahrestagung am 20.11.2025 auf dem Programm. Projektleiterin Sabine Obermaier vom LfL-Institut für Agrarökologie und Biologischen Landbau (IAB) hielt einen Vortrag zum Thema „Biodiversität und Effizienz im Grünland – Wie passt das zusammen?“, der auch beim kommenden Fachgruppentreffen am 24.11.2025 wissenschaftlichen Input liefern wird.
Biodiversität ist als Grundlage für Ernährung, Klima- und Bodenstabilität zu betrachten. Artenreiche Bestände im Grünland versprechen mehr und stabilere Biomasse, Bodenaktivität und Kohlenstoffbindung. Da Pflanzenarten unterschiedlich auf Stress wie Trockenheit, Nässe, Nährstoffverfügbarkeit oder Krankheiten reagieren, und sie unterschiedliche Wurzeltiefen, Nährstoff- und Lichtnutzung etc. aufweisen, sorgt Vielfalt für Stabilität: mehr Arten, mehr Ökosystemfunktionen, resilientere Ökosysteme. Studien beweisen prinzipiell den Rückgang der Biodiversität im Grünland, je intensiver und näher die landwirtschaftliche Flächennutzung erfolgt. Entscheidend ist auch die direkte Grünlandnutzung: Weide oder Mähweide, intensiver Verbiss oder längere Rastzeit, extensive Nutzung oder viele Schnitte?
Während aus wissenschaftlicher Sicht zur Effizienz-Messung Output/Input herangezogen wird (Nährstoffe, Wasser, Energie, Geld…), spielen aus Sicht der landwirtschaftlichen Betriebe v.a. stabile Erträge, hochwertiges Futter, geringer Aufwand, kurzfristiger ökonomischer Erfolg, Stabilität trotz Wetterextremen und fruchtbare Böden eine Rolle. Doch Biodiversität sollte nicht als Konkurrenz, sondern als Voraussetzung für langfristige Effizienz gesehen werden, ist Sabine Obermaier überzeugt.
Ein vielversprechender Lösungsansatz könne die abgestufte Grünlandnutzung sein, um eine Balance zwischen Ökonomie und Ökologie herzustellen – mit der Optimierung am Grünland als Ziel. Das Konzept: „Starke Standorte stärken, schwächere extensivieren“ – mit direktem Nutzen auch für die Betriebe. Das Plus: effizientere Nutzung der organischen Nährstoffe (v.a. Biobetriebe), mehr Protein vom Grünland (leistungsstarke Flächen), artenreiche Wiesen für ökologische Stabilität, strukturreiches Futter (v.a. nützlich für Jungvieh/Trockensteher). Dem stehen Planungsaufwand, Kosten der Etablierung, das Aufbrechen alter Muster und eine mögliche Erhöhung der Rüstzeiten gegenüber. Und Zielkonflikte der Landwirte.
In Summe ergebe sich bei abgestufter Nutzung eine höhere Gesamtleistung und ein Biodiversitätsgewinn – mit Biodiversität als Voraussetzung für Effizienz im Grünland und abgestufter Nutzung als betriebsintegriertem Schlüsselansatz. Dieser könne schrittweise und betriebsindividuell umgesetzt und unterstützt werden durch fachliche Begleitung/Beratung. So eröffne sich eine langfristige Perspektive.
Das OekoNet will solche Ansätze zur innerbetrieblichen Grünlandoptimierung nun gezielt erproben und erforschen, für mehr Biodiversität auf Betriebsebene in fruchtbarer Verbindung von OekoLogie und OekoNomie.
Artenreiche Wiese.